02. November 1810 in Preußen

02. November 1810 in Preußen

Heute vor 211 Jahren

„Ein jeder, welcher in Unsern Staaten, es sey in den Städten, oder auf dem platten Lande, sein bisheriges Gewerbe, es bestehe in Handel, Fabriken, Handwerken, es gründe sich auf eine Wissenschaft oder Kunst, fortsetzen oder ein neues unternehmen will, (…) [ist] verpflichtet, einen Gewerbesteuerschein darüber zu lösen und die Steuer zu zahlen. (…) Im Allgemeinen darf niemandem der Gewerbeschein versagt werden.” Der Auszug aus einem der Edikte von 1810/11, nämlich dem Edikt über die Gewerbesteuer, das am heutigen Tag erlassen wird, weist in eine eindeutige Richtung: Nach dem Vorbild der Französischen Revolution wird in Preußen, früher als in den meisten anderen deutschen Staaten, im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformen die Gewerbefreiheit eingeführt.

Prinzipiell war dieser Schritt schon zwei Jahre zuvor Teil der geplanten Gewerbepolitik geworden, mit dem Edikt vom heutigen Tag und den Edikten über eine neue Gewerbeordnung und einer Gewerbepolizei werden die Reste der alten, mittelalterlichen Zunftordnung nach und nach beseitigt und jeder kann seinen Beruf in Preußen frei wählen, kann in jedem Umfang jeden Produktionszweig mit jeder Produktionstechnik eröffnen und betreiben. Es ist ein wichtiger Schritt hin zu einer freien, liberalen Wirtschaftsordnung den König Friedrich Wilhelm III. von Preußen vollzieht, auch wenn sich der Strukturwandel über Jahrzehnte hinwegziehen wird und die Menschen, vor allem die Handwerker, eben auch den Risiken der neuen Freiheit ausgesetzt sind. Auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird in Artikel 12 die Gewerbefreiheit grundsätzlich garantiert.

Quelle: https://www.preussen.de