03. März 1904 in Preußen

03. März 1904 in Preußen

Heute vor 117 Jahren

Von Kaiser Wilhelm II. wird an diesem Tag des Jahres 1904 die weltweit erste Tonaufnahme mit politischem Inhalt vorgenommen. Der Kaiser bespricht in der Klangaufzeichnung eine sogenannte „Edison-Walze“. Der US Amerikaner Thomas Alva Edison hatte den Phonographen 1877 erfunden und weiterentwickelt. Zum ersten Mal können damit Töne gespeichert und später wiedergegeben werden. Der frühe Audiorekorder zeichnet die Rede des Kaisers „zum vorbildlichen Verhalten eines Deutschen“ ca. 2 Minuten lang auf.

Der Kaiser sagt unter anderem: „Stark sein im Schmerz: nicht wünschen, was unerreichbar oder wertlos; zufrieden mit dem Tag, wie er kommt; in allem das Gute suchen und Freude an der Natur und an den Menschen haben, wie sie nun einmal sind, für 1.000 bittere Stunden sich mit einer einzigen trösten, welche schön ist, und aus Herz und Können immer sein Bestes geben, auch wenn es keinen Dank erfährt.“

Er zitiert dabei aus einem Werk des mit ihm befreundeten bayrischen Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Aufgenommen wird die Kaiserrede von dem Sprachwissenschaftler und Psychologen E.W. Scripture von der Harvard University. Die Möglichkeit, den Kaiser erstmals aufzunehmen, erhielt Scripture über den amerikanischen Botschafter in Berlin. Er baute seine Gerätschaften in den kaiserlichen Gemächern auf und verließ dann während der Aufnahme den Raum, in dem der Kaiser zwei der Edisonwalzen besprach. Die Stimmschallwellen werden bei dieser Technik durch einen großen Trichter kommend, mittels einer an einer Membran befestigten Nadel, auf eine sich drehende Wachswalze übertragen. Die Erfindung, das war wohl einer der Hintergründe für das Bemühen, sollte beworben werden und wer eignete sich mehr als Werbefigur als der allseits bekannte und technikbegeisterte Kaiser. Im Umfeld des Kaisers sah man derlei Tonaufnahmen allerdings mit größter Skepsis und hatte Angst vor einem „Kontrollverlust“.

Der Kaiser selbst war hier weniger ängstlich. Auch die sich schnell entwickelnde Kameratechnik machte er sich für öffentliche Auftritte zunutze. Wilhelm II. gilt als „Medienstar“ seiner Zeit. Zeugnis davon ist etwa die sehenswerte Filmdokumentation „Majestät brauchen Sonne“ von Peter Schamoni (1999). Die erste Schallplattenaufnahme mit einer Rede des Kaisers ließ nach der Aufnahme Scriptures aber noch einige Zeit auf sich warten und erschien erst im Jahr 1913.

Quelle: https://www.preussen.de