06. Oktober 1772 in Preußen

06. Oktober 1772 in Preußen

Heute vor 249 Jahren

In einem Brief an den französischen Philosophen Jean-Baptiste le Rond d’Alembert schreibt Friedrich der Große am heutigen Tag folgende Passage: „Je mehr man im Alter vorrückt, desto mehr gewahrt man den Schaden, den der Gesellschaft die Vernachlässigung der Jugenderziehung zufügt. Ich fass die Sache auf alle mögliche Art an, um diesen Mißstand zu verbessern. Ich reformiere die Mittelschulen, die Universitäten und gehe bis zu den Dorfschulen. Aber es sind dreißig Jahre vonnöten, um die Früchte zu sehen. (…)“ Diese Worte sind auch heute mitunter von brisanter Aktualität, wenn es etwa um die Digitalisierung der deutschen Schulen geht. Unter Friedrich II. ist die preußische Bildungspolitik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor allem durch das Generallandschulreglement von 1763 vorangebracht worden, das die Entwicklung der Volksschulen stärkte und die Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht entscheidend vorbereitete.

Ein Schulgeld von sechs Pfennigen, verbunden mit einer Schulpflicht von 8 Jahren und einem festgelegten Lehrplan wurden implementiert – und zwar als frühe Ganztagesschule: Drei Stunden vormittags, drei Stunden nachmittags war die Dauer des Unterrichts. Vor der friderizianischen Reform von 1763 betrieben viele Lehrer Seidenanbau zur Aufstockung ihres Gehalts. Die Veränderungen im Schulwesen gingen allerdings, wie im obigen Zitat durch den König vermutet, nicht von heute auf morgen. Viele Eltern konnten das Schulgeld nicht bezahlen oder brauchten die Kinder auf dem Feld und es sollte bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauern, bis 80% der Kinder in Deutschland in die Schule gingen.

Quelle: https://www.preussen.de