08. März 1540 in Berlin

08. März 1540 in Berlin

Heute vor 481 Jahren

Am heutigen Tag des Jahres 1540 findet einer der spektakulärsten deutschen Rechtsfälle des späten Mittelalters seinen Wendepunkt. Kurfürst Joachim II. von Brandenburg lässt den Kaufmann und Bürger der Stadt Cölln an der Spree, Hans Kohlhase, ergreifen. Kohlhase war acht Jahre zuvor mit dem sächsischen Junker von Zaschwitz in einen Rechtsstreit geraten, nachdem dessen Untergebene ihm auf seiner Reise von Cölln nach Leipzig, um den dortigen Michaelismarkt zu besuchen, auf „fürstlich freier Straße“ seine zwei Pferde weggenommen hatten, verbunden mit der Anschuldigung, diese gestohlen zu haben. Es stand danach Aussage gegen Aussage über den Vorgang. Zurück in Cölln bat Kohlhase seinen Kurfürsten um Beistand, der sich wiederum an den sächsischen Kurfürsten wandte, aus dessen Gebiet die Gegenpartei des Junkers v. Zaschwitz stammt und der Fall wurde auf einem Rechtstag auf Burg Düben verhandelt, bei dem Kohlhase auf die Forderung der Zahlung eines Futtergeldes einging. Als er seine Pferde schließlich in so schlechtem Zustand zurückerhielt, dass eines der beiden bereits am folgenden Tag starb, wollte er die Zahlung des Futtergeldes nicht mehr leisten.

Nach weiteren Wendungen sah Hans Kohlhase irgendwann den Rechtsweg als erschöpft an und brachte einen Fehdebrief gegen den Junker Zaschwitz „und das ganze Land Sachsen“ in Umlauf. Dies war durch die Einführung des allgemeinen Landrechts von 1495, worin das staatliche Gewaltmonopol gestärkt und das Fehderecht abgeschafft wurde, eigentlich ausgeschlossen. Der brandenburgische und sächsische Kurfürst waren sich im Folgenden uneins über die Vorgehensweise. Sachsen wollte Kohlhases Ergreifung, Brandenburg sah sich nicht zuständig. Martin Luthers Versuch, Kohlhase zur Mäßigung zu bewegen, war ebenfalls nicht erfolgreich. Sächsischen Gerichten wurde gestattet, auf brandenburgischem Boden der Angelegenheit nachzugehen, was diese auch mit Verhaftungen, Folterungen und sogar Exekutionen taten. Kohlhase war derweil mit nur wenigen Handlangern unterwegs und verübte seinerseits Racheakte, legte Feuer, plünderte kleinere Anwesen, erpresste durch Geiselnahme Lösegelder und überfiel wohl im Februar 1540 auch einen Silbertransport seines eigenen Kurfürsten. Dieser handelte nun schnell und unerbittlich.

Er lässt Kohlhase am heutigen Tag des Jahres 1540 in Berlin festsetzen. Beim Prozess verteidigt sich Kohlhase mit einer dreistündigen Rechtfertigungsrede, dennoch endet dieser mit seinem Todesurteil, das auch unverzüglich vollstreckt wird. Der spektakuläre Fall wird später durch Heinrich von Kleist in seiner Novelle „Michael Kohlhaas“ literarisch verarbeitet. Eine historisch korrekte Darstellung ist Kleists Erzählung selbstverständlich nicht, viele Aspekte des Falles können auch nur schwer rekonstruiert werden, da viele Akten aus der damaligen Zeit verloren sind. Gerade das macht den Fall Kohlhas aber auch so spannend und spekulativ.

Quelle: https://www.preussen.de