08. September 1944 in Sigmaringen

08. September 1944 in Sigmaringen

Heute vor 77 Jahren

Auf dem Hof des hohenzollerischen Fürstenschlosses von Sigmaringen trifft an diesem Tag ein Konvoi mit einem Staatspräsidenten ein, der weder über ein Territorium noch über ein Staatsvolk verfügt: Philippe Pétain, Marschall von Frankreich und Chef der mit den Nationalsozialisten kooperierenden „Vichy-Regierung“. Der 89jährige Pétain bezieht widerwillig eine Suite im Schloss. Einen Tag später trifft der Premierminister der Vichy-Regierung, Laval, ein und bezieht ebenfalls eine Zimmerflucht des Schlosses. Die weiteren Regierungsmitglieder des sogenannten „État Francais“ folgen. Für die Franzosen gilt die 1940 nach der französischen Niederlage installierte Regierung des unbesetzten Südens Frankreichs, die sich unter anderem an der Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation ausländischer wie französischer Juden beteiligte, bereits als Symbol für die verhasste Kollaboration mit den Nationalsozialisten.

225 Tage werden die Kollaborateure das Schloss für ihre Aktionen nutzen, bevor ein SS-Kommando den Marschall, noch immer ein Faustpfand Hitlers, aus Sigmaringen abholt, um ihn vor den Alliierten in Sicherheit zu bringen. Es ist jedoch zu spät, Pétain wird nur noch bis zur schweizerischen Grenze gebracht, dort freigelassen und reist über die Schweiz in Frankreich ein, wo ihm der Prozess gemacht wird und der vormalige „Held von Verdun“ auf der Ile d`Yeu im Atlantik in lebenslange Haft geht. Für das hohenzollerische Sigmaringen und die fürstliche Familie, die das Schloss auf Befehl der Reichsregierung verlassen musste, war der Aufenthalt des Vichy-Regimes eine Episode, auf die sie gerne verzichtet hätten.

Quelle: https://www.preussen.de