09. Februar 1888 in Preußen

09. Februar 1888 in Preußen

Heute vor 133 Jahren

Kronprinz Friedrich Wilhelm war in den Wintermonaten 1887/1888 gemeinsam mit seiner Frau, Kronprinzessin Victoria durch Tirol und das nördliche Italien gereist, um die milderen klimatischen Bedingungen zu nutzen. Aus den Zeitungen hatten die preußischen Bürger bereits die traurige Nachricht erfahren, dass der künftige Kaiser wohl unheilbar erkrankt sei.

Am heutigen Tag wird Kronprinz Friedrich Wilhelm im italienischen San Remo an der Luftröhre operiert. Es werden ihm Teile eines bösartigen Tumors am Kehlkopf entfernt. Eine völlige Entfernung hätte in der damaligen Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit zum Tod geführt. Die Operation hat den Stimmverlust des Kronprinzen zur Folge, der bereits einen Monat danach von San Remo überstürzt nach Berlin aufbrechen muss, da sein Vater, Kaiser Wilhelm I. verstorben ist. Als Friedrich III. als liberaler Hoffnungsträger den Deutschen Kaiserthron besteigt, ist er von seiner Krankheit bereits schwer gezeichnet. Bereits am 11. März trifft er am Leipziger Bahnhof auf seinen Kanzler Otto von Bismarck. Ein Augenzeuge beschreibt den positiven Eindruck den der Kaiser auf ihn macht. Friedrich Wilhelm sei ein wenig mager, dennoch wären „Mienenspiel, Gesichtsausdruck, Gestikulation (…) lebhaft, so daß man in einiger Entfernung gesehen den Eindruck eines lebhaft Sprechenden hatte“. Aber der Kaiser ist völlig stimmlos und muss seine Gedanken auf einen Papierblock schreiben. Er belässt Bismarck im Amt, verkündet in seiner Proklamation „An mein Volk“ vorsichtig, dass er das Werk seines Vaters fortführen wolle. Liberale Reformen oder sogar eine Änderung der Verfassung kann er nicht mehr durchführen. „Die wenigen Wochen, die dem zuerst in Schloss Charlottenburg residierenden Kaiser zum Regieren blieben, vermochte er nicht mehr in dem von ihm eigentlich gewünschten Sinne zu nutzen; die ihm von Bismarck gezogenen Grenzen blieben unüberschreitbar“ (Hans-Christof Kraus). Nur die Entlassung des als reaktionär geltenden preußischen Innenministers Robert von Puttkamer kann als richtungsweisende Maßnahme Friedrichs III. gesehen werden. Ab Anfang Mai wird der Kaiser künstlich ernährt, magert stark ab, zieht am 1. Juni ins Potsdamer Neue Palais um, den Ort seiner Geburt, wo er am Vormittag des 15. Juni des Jahres 1888 verstirbt. Kaiserin Viktoria nennt sich zum Gedenken an ihren Mann nach seinem Tod „Kaiserin Friedrich“.

Quelle: https://www.preussen.de