09. Januar 1890 in Berlin

09. Januar 1890 in Berlin

Heute vor 132 Jahren

„Erst habe ich gemerkt, wie das Leben ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist, und dann habe ich begriffen, warum es nicht anders sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird.“ In der Lübecker Straße 13 in Berlin-Moabit wird am heutigen Tag der deutsche Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky geboren. Sein Vater Alex Tucholsky ist ein jüdischer Bankkaufmann und stirbt bereits 1905, seine Mutter Doris Tucholsky wird 1943 im KZ Theresienstadt ermordet. Bereits als Schüler veröffentlicht Kurt Tucholsky erste schriftstellerische Werke, etwa in einer satirischen Wochenzeitschrift. 1912 publiziert er die Erzählung „Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte“ und wird dadurch erstmals einem größeren Publikum bekannt. Seine Schriftsteller-Laufbahn wird dann allerdings jäh durch den Krieg unterbrochen. Kurz vor Kriegsbeginn kann er noch sein Jurastudium abschließen, wird im April 1915 jedoch zum Wehrdienst eingezogen und versucht als Armierungssoldat (zuständig für Bauvorhaben) und ab 1916 durch die Herausgabe der Feldzeitschrift „Der Flieger“ dem Schießenmüssen an der Ostfront so gut es geht zu entkommen. Nach dem Krieg arbeitet Tucholsky als Chefredakteuer der Satirezeitschrift „Ulk“ und schreibt gerne unter den Pseudonymen Ignaz Wrobel, Peter Panter, Theobald Tiger oder Kaspar Hauser. Seine politischen Themen sind vor allem die aus seiner Sicht falsche Kriegsverherrlichung, die politischen Morde, etwa an Luxemburg, Liebknecht oder Rathenau sowie die Probleme der noch jungen Weimarer Demokratie, sich gegen ihre Feinde wirksam zur Wehr zu setzen. Ab 1924 verbringt er die meiste Zeit im Ausland, vor allem in Frankreich. Seine bekanntesten Werke, allesamt in Berlin erschienen, sind „Fromme Gesänge“ (1919), Träumereien an preußischen Kaminen (1920), „Ein Pyrenäenbuch“ (1927), „Mit 5 PS“ (1928), „Das Lächeln der Mona Lisa“ (1928), „Schloß Gripsholm“ (1931) sowie das schon im Titel satirisch gemeinte „Deutschland, Deutschland über alles“. Die Nationalsozialisten verbieten seine Bücher 1933 in Deutschland, doch Tucholsky bemüht sich ohnehin 1934 um die schwedische Staatsbürgerschaft. Am 20. Dezember 1935 nimmt Kurt Tucholsky eine Überdosis Schlaftabletten und verstirbt kurz darauf. Es ist nicht abschließend möglich, zu klären, ob er den Freitod wählte oder die Überdosierung aus Versehen geschah. Seine Asche wird im Sommer 1936 bei Schloss Gripsholm in Schweden beigesetzt. Auf seiner Grabplatte steht: „Alles Vergängliche Ist Nur Ein Gleichnis“ (aus Goethes Faust II).

Quelle: https://www.preussen.de/

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