09. März 1888 in Berlin

09. März 1888 in Berlin

Heute vor 133 Jahren

Kaiser Wilhelm I. genießt gegen Ende seines Lebens eine große Popularität. Er gilt als moralisch integer, wird als nationaler Einiger und als Integrationsfigur wahrgenommen. Sein Tod am heutigen Tag des Jahres 1888 und die große Anteilnahme und allgemeine Trauer zeigen dies deutlich. „Selbst Revolutionäre von 1848, die Wilhelm mit grausamer Härte verfolgte, zeigen sich tief bewegt“, mit ihm „haben sich die Massen identifizieren können“ (Jürgen Angelow). Dies liegt natürlich auch an seiner Nahbarkeit. Täglich um 12 Uhr, nachdem er Berichte verschiedenster Politiker und Minister angehörte hatte, zeigt sich der Kaiser zum Wachaufzug am Fenster des Schlosses. Der Baedeker führt das damals sogar als „Sehenswürdigkeit“ Berlins. Der Kaiser fährt auch trotz der auf ihn verübten Attentate bis ins hohe Alter täglich aus – in einem offenen Landauer.

Wilhelm I. strahlt durch eine taktvolle, ruhige, mitunter sentimentale und leutselige Art eine klare Authentizität aus. In den letzten Jahren häufen sich aber die Schwächephasen des Kaisers, der sonst immer ein hohes Pensum an Terminen absolvierte. Er hat längere Krankheitsphasen, leidet zunehmend unter Gehörverlust. Sein 90. Geburtstag wird 1887 noch einmal groß gefeiert. Im folgenden Winter erleidet der Kaiser jedoch eine starke Unterkühlung. Er zeigt sich bei Wind und Wetter auf der Kommandobrücke eines Schiffes, anlässlich der Grundsteinlegung zum Bau des Nord-Ost-See-Kanals, den Matrosen seiner Flotte. Er erholt sich nicht mehr ganz davon und ist ab März 1888 nach einem Rückfall ans Bett gefesselt. Schnell wird der bereits todkranke Kronprinz aus San Remo zurückbeordert.

Kurz nach der Ankunft Friedrich Wilhelms in Berlin stirbt der Kaiser am heutigen Tag einige Tage vor seinem 91. Geburtstag. Schnell wird Kaiser Wilhelm I. zum Mythos. Vor allem natürlich, weil sich unter ihm die Erfüllung des nationalen Traumes 1871 verwirklicht hatte, auch wenn er persönlich gerne lieber preußischer König geblieben wäre.

Quelle: https://www.preussen.de