11. November 1871 im deutschen Reich

11. November 1871 im deutschen Reich

Heute vor 149 Jahren


Im Juliusturm der Festung Spandau, hinter 3 Meter dicken Mauern, wird ab 1874 der „Reichskriegsschatz“ aufbewahrt. Bereits am 11.11.1871 wird am heutigen Tag das Gesetz verabschiedet und im Reichsgesetz-Blatt veröffentlicht, das die Bildung dieser Rücklage in Höhe von 40 Millionen Taler, das sind 120 Millionen Mark, aus französischen Kontributionszahlungen festlegt. Die Aufteilung wird in 100 Millionen Mark „Doppelkronen“, d.h. 20-Goldmark-Stücken und 20 Millionen Mark „Kronen“, 10-Goldmark-Stücken geplant, auf denen das Porträt von Kaiser Wilhelm I. zu sehen ist. Insgesamt werden die Goldmünzen in 1200 Kisten verwahrt. In jeder Kiste befinden sich dann je 100 000 Mark in Gold. 200 Kisten enthalten dann ausschließlich 10-Mark-Stücke. Selbstverständlich wird der Transport in den Juliusturm unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vollzogen. Und dennoch geschieht das Unglaubliche: Unbemerkt fällt eine der Kisten von der Wagenfläche. Der Finder wird sicherlich einigermaßen fassungslos auf die 100 000 Mark in Gold geblickt haben, die sich beim Öffnen zeigten. Er liefert die Kiste im heutigen Wert von ca. 2 Millionen Euro jedoch unverzüglich bei den Behörden ab und verzichtet sogar auf die
ihm zustehende gesetzliche Belohnung. 1913 wird der Kriegsschatz sogar nochmal auf 240 Millionen Mark verdoppelt, bevor er dann, darüber gehen die Meinungen auseinander, entweder zu Beginn des Ersten Weltkrieges aufgelöst und eingesetzt oder nach dem Ende des Krieges im Zuge der Reparationszahlungen wieder an Frankreich und die Alliierten zurückgeführt wird. Die noch existenten Goldstücke sind durch ihre lange Verwahrung vorher
nicht in den Umlauf gekommen und sind deshalb noch heute häufig in „vorzüglicher“ Erhaltung oder sogar in „Stempelglanz“ erhältlich.

Quelle: https://www.preussen.de/