11. Oktober 1598 in Hechingen

11. Oktober 1598 in Hechingen

Heute vor 423 Jahren

Die sogenannte „Hohenzollerische Hochzeit“, die am heutigen Tag des Jahres 1598 im neugebauten Schloss von Hechingen beginnt, lässt einen überraschenden Blick in die Kultur und Gesellschaft des Spätmittelalters zu. Die Feierlichkeiten dauern eine Woche – verheiratet wird der 21 Jahre alte Erbgraf Johann Georg von Hohenzollern-Hechingen mit Gräfin Franziska, Wildgräfin zu Dhaun und Kyrburg, Rheingräfin zum Stein. Jakob Frischlin, ein Reutlinger Lateinschulrektor, hält die Festlichkeiten in einer langen, gereimten, mit Stichen illustrierten Beschreibung fest. Trotz der kleinherrschaftlichen Verhältnisse will Graf Eitelfriedrich von Hohenzollern-Hechingen ein unvergessliches Fest für seinen Sohn ausrichten – mit anschließendem „Gelage“ im Rathaus, mittelalterlichem Turnier, Maskenball, Jagd und dem Auftritt einer „mechanischen Figur“.

Die gesamte Stadt, das Schloss, die Wirts- und Privathäuser, war voll mit Gästen und Schaulustigen. Im Schloss sollen 60 Fuder Wein, das wären ungefähr 100 000 Liter, vorher eingelagert worden sein. Die Messe beginnt in der Schlosskapelle, dann wird die Braut „eingeholt“ – in einem riesigen Zug von tausenden Berittenen, Edelknaben, Amtsleuten und Adligen. Streng bewacht wird der „Silberwagen“, der außer Gold, Geld, Silber und Schmuck den ganzen Brautschatz enthält. Die Menge in der Stadt wartet ungeduldig. Salutschüsse von der Burg Hohenzollern herab, die dadurch völlig eingenebelt erscheint, kündigen die Ankunft des Festzuges an. Noch am Abend wird die Eheschließung in einem Saal des Hechinger Schlosses vollzogen: „Darauff das Fräwlin sittigklich / Sprach. Ja / und höfflich neiget sich“ – und ein gewaltiges Hochzeitsmahl gehalten. In 284 silbernen Schüsseln werden die Speisen aufgetragen. Es folgt ein Fackeltanz, bevor die Braut weit nach Mitternacht in das prachtvolle Brautgemach geführt wird. Das Brautbett ist vergoldet, mit Blumen und Wappen geschmückt, darüber ein Himmel aus goldbestickter Seide, die Bettdecke aus golddurchwebtem Stoff. Als Morgengabe schenkt Johann Georg seiner Braut ein kostbares Halsband.

Quelle: https://www.preussen.de