12. Oktober 1806 in Gera

12. Oktober 1806 in Gera

Heute vor 215 Jahren

Napoleon unterschreibt im kaiserlichen Hauptquartier in Gera am heutigen Tag den Antwortbrief an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. Dieser hatte ihn schriftlich um die Einhaltung des Neutralitätspaktes sowie die Rückgabe mehrerer preußischer Territorien am Niederrhein gebeten und vieldeutig auch darum, „den anderen Völkern ihre Ehre [zu] gönnen“. Die sarkastische und aggressive Antwort Napoleons: „Mein Herr Bruder, ich erhielt erst am 7. Oktober den Brief Eurer Majestät (…). Es tut mir außerordentlich leid, daß man Sie ein solches Pamphlet hat unterzeichnen lassen. Ich antworte Ihnen nur, um Sie zu versichern, daß ich Ihnen die darin enthaltenen Beleidigungen niemals persönlich zuschreiben werde, weil sie Ihrem Charakter zuwider sind und uns beide zur Unehre gereichen. (…) Glauben Sie mir, ich habe so mächtige Streitkräfte, daß alle die Ihrigen den Sieg nicht lange schwankend machen können! Warum aber so viel Blut vergießen?(…) Aber Sire, Eure Majestät wird besiegt werden! Sie werden die Ruhe Ihrer Tage, das Leben Ihrer Untertanen preisgeben, ohne auch nur den kleinsten Grund zu Ihrer Entschuldigung vorbringen zu können! Heute stehen sie noch unbescholten da und können mit mir auf eines Ihres Ranges würdige Weise unterhandeln, aber noch ehe ein Monat vergeht, wird Ihre Lage eine andere sein!“

Dem preußischen König, ehrlich friedliebend in seiner Einstellung, erschien das aufgedrängte Bündnis mit Frankreich, der aufgedrängte Krieg mit England und die französischen Provokationen wie Gebietsdurchmärsche oder auch der oben zitierte Brief, nicht mehr hinnehmbar. Früher oder später würde Napoleon Preußen auch zum Krieg gegen Russland zwingen, das war ihm bewusst. Wenn schon Krieg, dann doch gegen den Beleidiger und nicht gegen Mächte, die Preußen nichts getan hatten. Doch zunächst bedeutet diese Entscheidung für Preußen das Eintreten der Katastrophe bei Jena und Auerstedt…

Quelle: https://www.preussen.de