13. Dezember 1714 in Preußen

13. Dezember 1714 in Preußen

Heute vor 306 Jahren

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen hatte genug gehört und gelesen. Hexenverfolgungen waren zwar um 1700 seltener geworden, dennoch sieht sich der preußische König nach der Lektüre des Buches „De crimine magiae“ (1701) von Christian Thomasius gleich in seinem zweiten Regierungsjahr dazu verpflichtet, die gängige Praxis durch ein königliches Edikt abzuschaffen. Thomasius hatte, wie nicht anders zu erwarten, festgestellt, dass die Angeklagten
meist erst dann vermeintliche Geständnisse ablegten, wenn sie die Qualen der Folter nicht mehr aushielten. Noch der Urgroßvater Friedrich Wilhelms I. befahl 1679 den Kriminalrichtern Berlins ein gegenteiliges Edikt. Nun endete diese Praxis in Preußen. Alle Urteile in Hexenprozessen mussten von 1714 an dem König oder dem Königlichen Justiz-Collegium vorgelegt werden. Es kommt in Preußen zu keinen weiteren Hinrichtungen. Der Prozess des Umdenkens
bezüglich dieses katastrophalen und menschenunwürdigen Kapitels von Staat und insbesondere der katholischen Kirche im späten Mittelalter vollzog sich aber nur langsam. Erst mit dem Gedankengut der Aufklärung, das sich auch dem Thema Recht intensiv widmet, verschwindet in vielen deutschen Staaten der Glaube an Hexen. Vermutlich findet die letzte Hinrichtung einer vermeintlichen Hexe in einem deutschen Staat 1756 in Landshut statt, der letzte Prozess erst 1775 im Fürststift Kempten.

Quelle: https://www.preussen.de/