14. Mai 1866 in Bukarest

14. Mai 1866 in Bukarest

Heute vor 155 Jahren

Der im April 1839 geborene Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen wird am heutigen Tag von der gesetzgebenden Versammlung der Donaufürstentümer zum souveränen Fürsten von Rumänien gewählt. Bei dem vorangehenden Referendum des rumänischen Volkes gab es nur sehr wenige Gegenstimmen. Im 19. Jahrhundert war es eine durchaus gängige Praxis, nach dem Tod des letzten Monarchen eines Fürstengeschlechts, sich aus einem anderen der regierenden Adelshäuser Europas einen Nachfolger zu suchen.

Beinahe wäre auch Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, der Bruder Carls, auf diesem Wege auf den Thron Spaniens gelangt. Lediglich die Intervention des sich bedroht fühlenden Frankreichs hat dies verhindert und dadurch, freilich indirekt, zum deutsch-französischen Krieg beigetragen. In Rumänen war die Lage ein wenig anders: Staatsgründer Alexandru Ioan Cuza war es zuvor nicht gelungen, die für das Land dringend nötigen Reformen durchzusetzen. 1866 zwang man ihn zur Abdankung und die Wahl der provisorischen Regierung fiel auf den Sohn des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern als neuen Fürsten Rumäniens. Karl Anton war der Vorgänger Bismarcks als preußischer Ministerpräsident gewesen und sehr bekannt, sein Sohn, Prinz Karl, damit eine sehr nachvollziehbare Wahl. Sogar der französische Kaiser Napoleon III. hatte sich für Karl verwendet.

Am 22. Mai zieht Karl unter dem Jubel des Volkes in Bukarest ein. 1881 erklärt sich Rumänien zum Königreich und Karl krönt sich als König Carol I. von Rumänien in der Kathedrale von Bukarest. Er regiert bis 1914 und wird nach seinem Tod in der Kathedrale von Curtea de Arges beigesetzt. Bis 1947 behalten die Hohenzollern den rumänischen Thron, bevor der letzte rumänische König, Michai I., durch die an die Macht gelangten Kommunisten, auf Druck der Sowjetunion, zur Abdankung gezwungen wird. Sein Leben verbringt Michai mit seiner Frau und seinen fünf Töchtern im schweizerischen Exil. Nichts deutet auf seine einstige Macht hin, er arbeitet als Testpilot und Börsenmakler und lebt ganz bürgerlich. Auch nach 1989 darf er zunächst nicht zurückkehren. Erst Jahre später entspannt sich das Verhältnis und Michai erhält einen Teil seiner Schlösser und Liegenschaften zurück. Er stirbt im Jahr 2017 im Alter von 96 Jahren.

Quelle: https://www.preussen.de