14. November 1831 in Berlin

14. November 1831 in Berlin

Heute vor 190 Jahren

„Abgespannt, grämlich saß er mit niedergebücktem Kopf in sich zusammengefallen da und blätterte und suchte immer fortsprechend in den langen Folioheften vorwärts und rückwärts, unten und oben; das stete Räuspern und Husten störte allen Fluß der Rede, jeder Satz stand vereinzelt da und kam mit Anstrengung zerstückt und durcheinandergeworfen heraus (…). Dennoch zwang die ganze Erscheinung zu einem so tiefen Respekt, zu solch einer Empfindung der Würdigkeit (…) daß ich mich bei aller Mißbehaglichkeit (…) unabtrennbar gefesselt fand. In den Tiefen des anscheinend Unentzifferbaren wühlte und webte jener gewaltige Geist in großartig selbstgewisser Behaglichkeit und Ruhe. (…) das Auge blitzte scharf über die Versammelten hin und leuchtete in still aufloderndem Feuer (…), während er mit nie mangelnden Worten durch alle Höhen und Tiefen der Seele griff.“ Ein Schüler Hegels, denen als „Hegelianer“ die Bedeutsamkeit ihres Professors auch namentlich mitgegeben werden wird, beschreibt so Georg Friedrich Wilhelm Hegel, einen der bedeutendsten deutschen und preußischen Philosophen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts.

Hegel, der am heutigen Tag des Jahres 1831 an der Cholera stirbt, die in Berlin wütet, wirkt etwa über das Gedankengut seines Schülers Karl Marx bis in die Gegenwart hinein. Hegel ist in Stuttgart geboren, kommt erst im Alter von 46 Jahren nach Berlin, wird dort Universitäts-Professor und entfaltet schnell eine unfassbare Wirkung für die geistige Ausrichtung des preußischen Staates, auch noch für Jahrzehnte danach. Es geht ihm darum, die Wirklichkeit in ihrer Tiefe und in allen Erscheinungsformen zu ergründen und sie vom Gesichtspunkt Gottes, des absoluten Geistes, her zu begreifen. Ausgangspunkt seiner Philosophie ist für Hegel dabei die „Frage nach dem Wesen der Liebe“, die er als „Grundvorgang der Wirklichkeit“ (Wilhelm Weischedel) begreift.

Quelle: https://www.preussen.de