15. November 1884 in Berlin

15. November 1884 in Berlin

Heute vor 136 Jahren


Die anwesenden Botschafter, Minister, Kammerherren oder Diplomaten stehen vor einer riesigen, 5 Meter hohen Karte des afrikanischen Kontinents, von dem sie durch Bücher und Berichte fasziniert sind, aber von dem sie allenfalls eine bedingte Vorstellung haben. Dafür zeigen die in Französisch geführten Gespräche einen nüchternen Blick auf die außen- und handelspolitischen Begierden der Zeit ab 1880. Es geht darum, für die Zukunft des eigenen Landes möglichst große Einflussgebiete in der Welt abzustecken, sie unter seinen „Schutz“ zu stellen. Zur Westafrika-Konferenz, auch „Berliner Konferenz“ oder lapidar „Kongo-Konferenz“ nach Berlin in den Festsaal der Reichskanzlei hatte der vielleicht mächtigste Mann der damaligen Zeit, der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck geladen. Die entscheidend an der Kolonisation Afrikas beteiligten Staaten Europas – unter anderem Belgien, das das Kongobecken kontrolliert, Frankreich, Großbritannien, Portugal, Spanien und viele weitere europäische Mächte sowie die USA und das Osmanische Reich sind durch Gesandte vertreten unter denen sich aber keine Vertreter Afrikas befinden. Um Afrika geht es aber in der Konferenz, die am heutigen Tag eröffnet wird und neben weiträumiger Handelsfreiheit für die beteiligten Mächte vor allem eines zur Folge haben soll: Den 30,3 Millionen km² großen Kontinent für die Zukunft unter ihre Kontrolle zu bringen, das Innere des Kontinents für den europäischen Handel zu öffnen. Ohne Blick auf die ethnischen und geografischen Realitäten werden mit dem Lineal Grenzen gezogen – auch unter dem Diktum, für Afrika einen zivilisatorischen Fortschritt zu bringen. Damit beginnt ein Wettlauf der Kolonialmächte um die letzten noch verfügbaren Gebiete und für Afrika ein bis heute anhaltendes Trauma. Das Ergebnis der Konferenz wird in der „Kongoakte“ nach fast drei Monaten festgehalten. Bismarcks Blick ist in Kolonialfragen primär auf die innereuropäischen Machtverhältnisse gerichtet. Lange war er skeptisch gegenüber deutschen Kolonialbemühungen und hielt die Kosten gegenüber dem Nutzen für Deutschland für nicht gerechtfertigt, hatte allenfalls Kompensationsvorstellungen. Aber auch Deutschland wird sich am Wettlauf um Afrika beteiligen.

Quelle: https://www.preussen.de/