16. Februar 1620 in Cölln

16. Februar 1620 in Cölln

Heute vor 401 Jahren

Wenige Fürsten des 17. Jahrhunderts sind so intensiv und gleichzeitig so kontrovers beschrieben und beurteilt worden wie „Der Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Auf der Suche nach der Berechtigung für den Zusatz „der Große“, für den die Antwort nicht nur in der gewonnenen Schlacht von Fehrbellin gegen die Schweden 1675 zu suchen ist, haben sich viele Historiker verzweifelt abgearbeitet. Nicht nur am Begriff selbst – ein „großer“ Kurfürst bleibt dennoch ein Großer unter den kleineren Mächten – sondern an der Bilanz Friedrich Wilhelms, die auf den ersten Blick nicht überzeugt: Sein in fünf Landmassen zersplittertes Territorium kann er trotz vieler Krieg nicht vergrößern; seinen Untertanen verlangt er mit diesen Kriegen und Feldzügen sowie mit einer hohen Steuerbelastung viel ab; seine kleine Flotte und der Kauf einer afrikanischen Kolonie sind nur symbolischer Akt auf dem Weg zu einer Seemacht; seine Regierungsart ist alles andere als widerspruchsfrei und die gewagten Bündniswechsel und häufigen diplomatischen Niederlagen bei der Arrondierung seines Territoriums, etwa wegen Pommern, trotz gewonnener Schlachten um dieses Gebiet, lassen Zweifel aufkommen.

Ständige auch innere Kämpfe begleiten seine Herrschaft, einen homogenen Staat vermag er nicht zu schaffen und wird von seinen Untertanen nicht mit Bewunderung verehrt. Und dennoch ist Friedrich Wilhelm so etwas wie eine Gründungsfigur für Preußen. Denn all diese vermeintlichen Misserfolge lassen sich auch aus anderem Licht betrachten. Er schafft es, im Spiel der europäischen Großmächte zu bestehen und das mit einer erstaunlichen Kühnheit und mit großem Selbstvertrauen! Allein darin liegt Größe. Immerhin erreicht er die Souveränität für Preußen und die Loslösung von der polnischen Oberhoheit, vertreibt die Schweden aus seinem Einflussgebiet. „In seinem nie ablassenden Aufbegehren liegt seine Größe“ attestiert ihm Sebastian Haffner. Sein „Edikt von Potsdam“ zeigt religiöse Toleranz und wirtschaftliche Weitsicht. Den darniederliegenden Staat kann er wirtschaftlich nach dem ruinösen Dreißigjährigen Krieg stabilisieren, ja wiederaufleben lassen. Auch seine administrativen Reformen sowie die Bemühungen um den Aufbau eines stehenden Heeres von gutem Ruf und einer Stärke von 30 000 Mann sind Vorbereitungen zum weiteren Aufstieg Brandenburg Preußens im 18. Jahrhundert. Insofern transformiert er sein Land durch viele, oft kleine Erfolge zu einem stabilen Bündnispartner für andere europäische Mächte.

48 Jahre regiert er Brandenburg-Preußen, länger als irgendein anderes Mitglied seiner Dynastie. Er hat, auch durch die Erfahrungen seines langen Aufenthalts in den Niederlanden als junger Prinz, „das Amt des Kurfürsten sozusagen neu erfunden“ (Christopher Clark), arbeitet unermüdlich, hat ein immenses Wissen, großes Durchhaltevermögen, eine besondere Beobachtungsgabe und sieht den Staat als Garant für Gesetz und Ordnung. In der Erhaltung dieses Staates findet Friedrich Wilhelm „der Große Kurfürst“ seine persönliche Berufung.

Quelle: https://www.preussen.de