16. November 1797 in Preußen

16. November 1797 in Preußen

Heute vor 223 Jahren


Mit nur 11 Jahren währte die Regierungszeit König Friedrich Wilhelms II. vergleichsweise kurz (1786-1797). Nur der preußischer König Friedrich III. (1888), regierte kürzer als der mit 53 Jahren nach langem Leiden am heutigen Tag verstorbene Friedrich Wilhelm II. Die Bezeichnung Wolf Jobst Siedlers als „Herrscher des Nichtmehr und des Noch-nicht“ trifft möglicherweise am besten die Figur Friedrich Wilhelms II.: Er ist ein Herrscher des Übergangs, der nach
der Europa stark prägenden Regierungszeit Friedrichs des Großen nur wenig eigene Akzente zu setzen weiß, der militärisch weder glänzende Siege erringt, noch gefährliche Niederlagen. Man könnte ihn in gewisser Weise als vollkommene Verkörperung seiner Zeit sehen. Seine leidenschaftliche Liebe zu einer bürgerlichen Frau, Wilhelmine Encke, mit der er fünf Kinder hat und die er zur Gräfin Lichtenau erhebt und zeitlebens versorgt, ist in der Epoche von „Empfindsamkeit“ und „Sturm und Drang“ ein Teil seiner Persönlichkeit wie der Zeitumstände. Den radikalen Umschwüngen, bedingt durch die Französische Revolution, steht der König einigermaßen ratlos gegenüber – dafür bekommt die kulturelle Entwicklung Preußens unter ihm neuen Schwung. Er musiziert gemeinsam mit Mozart, kümmert sich später finanziell um dessen Witwe, steht mit den berühmtesten Musikern seiner Zeit in persönlichem Kontakt, begrüßt 1796 den jungen Beethoven am Preußischen Hof, ist literarisch belesen und künstlerisch begabt. Auf der anderen Seite lässt er seinen regierenden Ministern zu viel Raum, ist für Irrationales sehr empfänglich, schafft nur wenige Reformen und ist, wie gesagt, „stets ein Mann von robuster Leidenschaftlichkeit“
(David E. Barclay). Insofern passt Friedrich Wilhelm II. in eine widersprüchliche Zeit.

Quelle: https://www.preussen.de/