18. April 1417 in Konstanz

18. April 1417 in Konstanz

Heute vor 604 Jahren

Auch Politik im Mittelalter wird öffentlich mit symbolischen Handlungen demonstriert. Doch anders als heute spielen Gegenstände dabei immer eine zentrale Rolle.

In Konstanz, wo das „Konstanzer Konzil“ damals seit über zwei Jahren stattfindet, ist am heutigen Tag auf dem oberen Marktplatz eine Tribüne mit einem Thron errichtet, auf dem König Sigismund, zu erkennen an seiner goldenen Krone, Platz genommen hat. Um ihn herum stehen die anwesenden Kardinäle, Fürsten und die hohe Geistlichkeit. Es wird eine Urkunde verlesen, die Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern am heutigen Tag mit der Mark Brandenburg belehnt, verbunden mit dem Kurfürstentitel und dem Erzkämmereramt. Friedrich VI. leistet den Treueeid und empfängt dann das Banner der Mark Brandenburg und ein Banner mit dem Zollernschild aus den Händen des Königs. Im Anschluss legt König Sigismund, aus dem Hause der Luxemburger, ein Szepter und den Reichsapfel in die Hände des Markgrafen. Die symbolische Übergabe der Insignien demonstriert öffentlich die neue Stellung Friedrichs VI., der aber bereits in den Jahren zuvor seine Herrschaft über die Mark Brandenburg diplomatisch und kriegerisch sicherte, deren oberster Hauptmann und Verweser er seit 1411 war, und deren erbliche Würde ihm König Sigismund bereits 1415, ebenfalls in Konstanz, übertragen hatte. Einer förmlichen Belehnung am heutigen Tag bedarf es im symbolverbundenen Mittelalter dennoch. Die Chronik des Konzils von Ulrich von Richental hält den Belehnungsakt in Miniaturen fest.

Markgraf Friedrich I., wie er sich fortan nennt, kümmert sich in den folgenden Jahren bei einer längeren Abwesenheit des Königs als dessen Stellvertreter um das Reich und hat auch Ambitionen, selbst die Königswürde nach dem Tod Sigismunds 1437 zu erlangen. Diese wird jedoch Albrecht II. von Habsburg 1438 zuteil. Die Regentschaft über Brandenburg übt Friedrich I. aber nur wenig Jahre persönlich aus, bevor er sich wieder auf seine fränkischen Besitzungen begibt und Brandenburg zwischen 1426-1437 von seinem ältesten Sohn Johann regieren lässt.

Quelle: https://www.preussen.de