19. Februar 1858 in Königsberg

19. Februar 1858 in Königsberg

Heute vor 163 Jahren

Am heutigen Tag berichtet die Berliner Neue Preußische Zeitung („Kreuzzeitung“) über ein folgenschweres Vorkommnis in Königsberg. Offensichtlich kam es zu Ehestreitigkeiten zwischen der Tochter des „Commercienraths“ Jachmann und dem Sohn des Generalleutnants Joachim von Plehwe. Letzterer fordert, nach einem Gespräch mit dem Sohn Jachmanns, Satisfaktion, weil er wohl im Hause Jachmann nicht empfangen wurde und kann von dem Vorhaben nicht abgebracht werden, auf dem Weg eines Duells seine Ehre wiederherstellen zu wollen. Duelle sind in Preußen eigentlich seit 1713 verboten – König Friedrich Wilhelm I. erließ das Verbot und sanktionierte Verstöße hart. Zunehmend wurden Duellanten aber von den Gerichten nur lax bestraft, sodass im 18. und 19. Jahrhundert Duelle gang und gäbe waren. Unter anderem sterben der russische Dichter Alexander Puschkin (1837) und der sozialistische Arbeiterführer Ferdinand Lassalle (1864) auf diese Weise.

Die eigene Ehre, oder die Ehre z.B. des Offiziersstandes wurde höher gestellt als die zu erwartende Strafe. Häufig war auch der soziale und gesellschaftliche Druck hoch, vor einem Duell nicht zurückzuschrecken. Ein tödlicher Ausgang war nicht zwangsläufig, vor allem nicht bei Säbel- oder Degenkämpfen „bis zum ersten Blut“, jedoch kam es häufig zu Todesfällen – ungefähr in jedem 14. Duell. Häufigste Duell-Ursache war übrigens das Verhältnis zu einer Frau.

Die Kreuzzeitung berichtet, um zum vorliegenden Fall zurückzukommen, trotz der Tatsache, dass Duelle eigentlich verboten sind, ausführlich von dem dann Folgenden: „Der Lieutnant Jachmann machte sofort von dem Vorfall (…) dem Ehrenrath seines Regiments Anzeige, welcher sich vergeblich drei Tage lang bemühte, die Sache beizulegen. Der General v. Plehwe erkannte (…) die Darstellung des Zachmann als vollkommen nichtig an (…) und als General-Lieutnant wisse er, was er zu thun habe.“ Das Duell findet dann auf dem Exerzierplatz mit Pistolen statt „auf fünf Schritt Barrière“. Von Plehwe geht bis „zwei Schritt gegen die Barrière und zielte, als er jedoch sah, daß Jachmann auf seinem Posten stehen blieb, das Pistol vor der Brust, mit der Mündung nach oben, rief er: ‚Lieutnant Jachmann, was soll das heißen? Das lasse ich mir nicht gefallen, Sie müssen auch schießen!‘ Jachmann schüttelte den Kopf und blieb stehen. Plehwe sagte, indem er absetzte: ‚Meine Herren, ich bitte, den Lieutnant Jachmann zu veranlassen, daß er schießt.‘ (…) Erst als dem General bedeutet worden, daß Jeder schießen könne, wann er wolle, gab der General den ersten Schuß ab. Die Kugel drang in den Mund, verletzte den Unterkiefer und ging an der linken Seite des Halses hinaus. Nach momentanem Taumeln avancierte Jachmann einige Schritte und feuerte, worauf der General, durch das Herz getroffen, lautlos niedersank. Von Allen, welche bei diesem traurigen Vorgang betheiligt gewesen und mit dessen Veranlassung genau bekannt sind, wird das maßvolle und zur Versöhnung geneigte Benehmen des Lieutnants Jachmann anerkannt.“

Quelle: https://www.preussen.de