19. März 1848 in Berlin

19. März 1848 in Berlin

Heute vor 173 Jahren

Am Vortag hatte die Revolution Preußen mit voller Wucht erreicht. Die Kämpfe hatten bis in die Morgenstunden gedauert und ca. 250 Todesopfer gefordert. Das preußische Berlin steht unter Schock. König Friedrich Wilhelm IV. und seine Gemahlin, Königin Elisabeth, sind fassungslos. So etwas hatte es in Preußen noch nicht gegeben. Der König muss das Militär zurückziehen, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.

Bemerkenswert ist seine Erklärung „An meine Lieben Berliner“, die er noch in der Nacht verfasste. Sie zeigt seine Sicht auf das Geschehene und sein Unverständnis. Er schiebt die Schuld auf einen „Haufe Ruhestörer“, eine „Rotte von Bösewichtern, meist aus Fremden bestehend“, die die „erhitzten Gemüther von Vielen meiner treuen und lieben Berliner mit Rache-Gedanken um vermeintlich vergossenes Blut! erfüllt“ hätten. Und weiter heißt es: „Erkennt, Euer König und treuster Freund beschwört Euch darum, bei Allem was Euch heilig ist, den unseeligen Irrthum! Kehrt zum Frieden zurück, räumt die Barrikaden, die noch stehen, hinweg, […] und ich gebe euch mein königliches Wort, daß alle Straßen und Plätze sogleich von den Truppen geräumt werden sollen und die militärische Besetzung nur auf die nothwendigsten Gebäude […] beschränkt werden wird. Hört die väterliche Stimme Eures Königs (…).“ Um 10.30 Uhr gibt der König aber ohne weitere Bedingungen der Forderung nach vollständigem Militärabzug nach.

Drei Tage später wendet er sich in einer Proklamation „An Mein Volk und an die deutsche Nation!“ und stellt fest „Preußen geht fortan in Deutschland auf“. Am 22. März zieht der Zug mit den Toten des 18. März durch Berlins Straßen, auch am königlichen Schloss vorbei, wo König Friedrich Wilhelm IV. sich vor den Särgen verneigt. Der König bewahrt durch seine Nachgiebigkeit Berlin vor weiteren Kämpfen. Einen Erfolg der Revolution hingegen bedeutet das nicht. Am Ende wird König Friedrich Wilhelm IV. die ihm von der Frankfurter Paulskirche angebotene Kaiserkrone ablehnen und in den Augen vieler Bürger seine Versprechen aus dem März 1848 verletzen.

Quelle: https://www.preussen.de