20. Dezember 1812 in Berlin

20. Dezember 1812 in Berlin

Heute vor 208 Jahren

In Berlin erscheinen am heutigen Tag die ersten Exemplare der berühmten Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, besser bekannt als „Grimms Märchen“. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm hatten seit 1806 aus ihrem Bekanntenkreis – es gab etwa drei Dutzend Geschichtenzuträger*innen – und aus literarischen Werken Märchen gesammelt, nicht nur für Kinder, sondern aus volkskundlichem Interesse. Sie ließen sich Märchen etwa von den drei Schwestern Marie, Amalie und Jeanette Hassenpflug erzählen, oder von Dorothea Viehmann sowie von Jenny und Annette von Droste-Hülshoff. Achim von Arnim ermutigte sie zur Herausgabe eines preiswerten Buches. Vom heutigen Tag im Jahr 1812 bis zum März 1813 erscheinen gerade einmal 900 Exemplare beim Berliner Verleger Georg Andreas Reimer. Die Sammlung verändert sich durch die Aufnahme neuer Texte („Die Bremer Stadtmusikanten“, „Hans im Glück“, „Tischlein deck dich“) in der zweiten Auflage stark und wird mehr und mehr dem romantischen und biedermeierlichen Zeitgeschmack angepasst. Sehr wichtig, auch den Zeitumständen geschuldet, war den Brüdern der „echt hessische“ bzw. „deutsche“ Ursprung der Märchen, was jedoch nachweislich nicht eingehalten werden konnte. Einige der wichtigsten, meist noch sehr jungen Zuträgerinnen, waren aus hugenottischen Familien und erzählten in der Tradition der französischen Märchen und der eher städtisch geprägten Bildungsschicht. Es handelt sich bei den Grimmschen Märchen also nicht um typische, von alten Bäuerinnen erzählte Volksmärchen (Heinz Roelleke). Die 7. Ausgabe „letzter Hand“ erscheint 1857. Zu diesem Zeitpunkt sind die
berühmten, in der Sammlung enthaltenen Märchen wie „Das tapfere Schneiderlein“, „Die Sterntaler“, „Der Froschkönig“, „Schneewittchen“, „Hänsel und Gretel“, „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“, „Dornröschen“, „Rumpelstilzchen“, „Aschenputtel“, „Rotkäppchen“, „Rapunzel“ oder „Der gestiefelte Kater“ bereits vielen Erwachsenen und Kindern bekannt. Bis heute sind sie ein unerschöpflicher Quell für Literatur, Film, Mode, Lifestyle und Kultur in Deutschland. Die Gebrüder Grimm leben bis zu ihrem Tod 1859 bzw. 1863 in Berlin, sind jedoch durch diese Sammlung bis heute unsterblich, auch wenn sie selbst nicht die eigentlichen Erzählerinnen und Erzähler ihrer wunderbaren Märchen waren.

Quelle: https://www.preussen.de/