21. Dezember 1806 in Berlin

21. Dezember 1806 in Berlin

Heute vor 214 Jahren

„Gegen 10 Uhr bemerkten wir (…) in NNO einen Lichtbogen“. Alexander von Humboldt von der preußischen Akademie der Wissenschaften registriert am heutigen Abend in Berlin starke Störungen auf einem magnetischen Kompass, dessen Richtungsvariationen er von Mai 1806 bis Juni 1807 beobachtet. Von Humboldt sieht durch ein sogenanntes „Magnetisches Fernrohr“ im weitläufigen Garten des Brauereibesitzers George am Nachthimmel über Berlin sogar Polarlichter. Am nächsten Morgen ist aber alles wieder normal. Der Forscher ist ein früher Zeuge eines geomagnetischen Sturms, also einer Störung der Magnetosphäre der Erde, ausgelöst von Schockwellenfronten des Sonnenwinds, die durch Sonneneruptionen oder koronale Massenauswürfe entstehen und etwa 24 bis 36 Stunden benötigen, um die Erde zu erreichen. Neben Polarlichtern können solche Störungen des Erdmagnetfeldes vielfältige Folgen haben: etwa hohe kosmische Strahlung, Probleme mit Überlandleitungen sowie Funkverkehr und Schäden an Satelliten. Der von Alexander von Humboldt im frühen 19. Jahrhundert bemerkte geomagnetische Sturm wird in der Nacht vom 1. zum 2. September 1859 noch stark übertroffen. Das sogenannte „Carrington-Ereignis“ macht Polarlichter sogar noch in Rom, Havanna und Hawaii sichtbar. 1967 führt ein solcher magnetischer Sturm sogar beinahe zum Atomkrieg, weil er Störungen im amerikanischen Raketenfrühwarnsystem auslöst. Die Folgen eines starken Magnetsturmes wie er 1806 oder 1859 gemessen wurde, sind, würde er heute stattfinden, schwer einzuschätzen, könnten angesichts globaler Digitalisierung und Vernetzung jedoch katastrophale Auswirkungen
haben.

Quelle: https://www.preussen.de/