22. Februar 1902 in Kaiser-Wilhelm-II.-Land

22. Februar 1902 in Kaiser-Wilhelm-II.-Land

Heute vor 119 Jahren

„Für die Polarforschung ist es unerheblich, wer als erster am Südpol steht“. Die Worte des im preußischen Königsberg geborenen Polarforschers und Geophysikers Erich von Drygalski sind zwar nicht ganz das, was die Zeitgenossen in ihrer Antarktis-Begeisterung hören wollten und auch nicht dem Ziel des erstmaligen Erreichens des Südpols zuträglich, aber dennoch ist die erste deutsche Antarktis-Expedition von 1901-1903 ein Erfolg. Denn Drygalski und sein 30-köpfiges Team füllen später 20 Bände und zwei Atlanten mit den Erkenntnissen der „Gauß-Expedition“. Am heutigen Tag des Jahres 1902 sichten die Expeditionsteilnehmer auf dem Schiff Gauß unbekanntes Land. Zu Ehren des Deutschen Kaisers wird es Kaiser-Wilhelm-II. Land getauft. Noch heute trägt dieser Teil der Antarktis, der von Australien beansprucht wird, diesen Namen. Kaiser Wilhelm II. war es auch, der die Forschungsreise mit 1,2 Millionen Mark finanzierte. Davon wurde ein ausgewiesenes Forschungsschiff gebaut, speziell für den Einsatz im Eismeer, mit Pech und Korkmehl isoliert, ausgerüstet mit Dampfmaschinen und beinahe ohne Eisen als Baumaterial, um den magnetischen Südpol finden zu können. Letzteres Ziel wurde jedoch nicht verwirklicht. Der Kaiser ist nach der Rückkehr der Gauß ein wenig enttäuscht, dass die deutsche Expedition nicht als erste den Südpol erreicht hat. Dafür wurden ca. 1400 neue Tierarten erstmals beschrieben. Im Sommer 1901 war es in Kiel losgegangen. Auf der Insel Heard unternahmen die Forscher die ersten Untersuchungen von Geologie, Flora und Fauna. Nach der Entdeckung des neuen Gebietes gerät das Schiff jedoch zwischen zwei Eisberge und sitzt für 14 Monate fest. Teilweise ist das Schiff vollkommen von Eis und Schnee bedeckt. Glücklicherweise ist die Ausrüstung gut. Es können sogar eine Wetterhütte und ein Observatorium auf einer Eisplatte gebaut werden. Die Wissenschaftler nutzen die Zeit für Forschungen, ernähren sich von Pinguinen und Robben, unternehmen Fahrten mit Schlittenhunden in der Umgebung. Drygalski steigt sogar mit einem Wasserstoffballon in 500 Meter Höhe auf. Schließlich bekommen sie die Gauß durch Verwendung von Asche auf dem Eis als Schmelzhilfe wieder frei und im November 1903 treffen Schiff und Besatzung wieder in Kiel ein.

Quelle: https://www.preussen.de