24. Dezember 1899 in Potsdam

24. Dezember 1899 in Potsdam

Heute vor 121 Jahren

Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria hatten sechs Söhne und eine Tochter. Entsprechend ist der Heilige Abend im deutschen Kaiserhaus vor allem auch auf die Kinder ausgerichtet und war für diese, so berichtet es die Tochter des Kaiserpaares, Victoria Luise, immer der absolute „Höhepunkt des Jahres“. Ein kleiner Eindruck vom Festabend: Nach langen Vorbereitungen ist der „Grottensaal“ des Neuen Palais, Mittelpunkt der Familienfeierlichkeiten an Weihnachten, durch Christbaumkerzen und Kronleuchter, an denen Mistelzweige befestigt wurden, hell erleuchtet. Es gibt eine Weihnachtskrippe und für jedes Kind einen eigenen Weihnachtsbaum – und zwar in der jeweiligen Größe des Kindes. Nachdem die Kaiserin der Hofdienerschaft persönliche Geschenke mit individuellen Worten für jeden einzelnen überreicht hat, die Kinder einstudierte Weihnachtslieder und die Weihnachtsgeschichte vorgetragen haben, beginnt um 16 Uhr das Weihnachtsdiner, unter anderem mit „Karpfen blau“, Schinkenauflauf mit grünem Spargel sowie flambiertem „Christmas Pudding“. Dann folgt die Bescherung im Grottensaal. Die Kinder erhalten ihre Geschenke von einem Gabentisch an ihrem jeweiligen Weihnachtsbaum nacheinander aus den Händen der Eltern. In diesem Jahr erhält Prinz August Wilhelm z.B. eine Schwarzwälder Uhr, Prinz Joachim das Spiel „Klar Schiff“, Prinzessin Victoria Luise einen Schirm und zwei Hundewelpen und der 17 jährige Kronprinz Wilhelm zur Nutzung die einzigartige Amati-Geige aus dem Besitz Friedrichs des Großen. Etwa um 19.15 Uhr zieht sich die Familie kurz zurück, um 20.30 Uhr treffen sich aber alle mit Gästen zu einer weiteren Abendtafel im Grottensaal. Gegen 23 Uhr endet der Abend. Wie üblich findet der Gottesdienstbesuch erst am 25. Dezember statt (Weitere Details zum Heiligabend im Kaiserhaus finden sich in „Das Neue Palais in Potsdam. Familienidyll und kaiserlicher Glanz“ von Jörg Kirschstein).

Quelle: https://www.preussen.de/