27. April 1880 in Berlin

27. April 1880 in Berlin

Heute vor 141 Jahren

Otto von Bismarck war lange Zeit skeptisch gewesen, was den Erwerb von Kolonien anbelangte. Jahrelang galt sein Satz „Solange ich Reichskanzler bin, betreiben wir keine Kolonialpolitik“. Kosten und Nutzen standen für ihn in keinem akzeptablen Verhältnis. Bismarck konnte sich Kolonialgebiete zunächst am ehesten als Verhandlungsmasse im diplomatischen Spiel oder für den Austausch von Land vorstellen. Eine deutsche Kolonialpolitik hätte auch unabsehbare innereuropäische Konflikte hervorrufen können.

Dem Zeitgeist in Deutschland entsprach die ablehnende Haltung Bismarcks nicht. Mitte der 1880er Jahre gibt Bismarck seinen Widerstand mehr und mehr auf. Zu stark ist der Druck der Handelslobby, die nach staatlichem Schutz ihrer Stützpunkte ruft, neu gegründeten Kolonialvereinen, denen eine nationale Identifikation über Kolonialgebiete wichtig ist und auch aus der zunehmenden Rivalität mit Großbritannien.

Als Beginn der staatlichen deutschen Kolonialpolitik kann die am heutigen Tag im Reichstag abgestimmte „Samoa-Vorlage“ gesehen werden, die Reichskanzler Bismarck einbringen lässt und die in seiner krankheitsbedingten Abwesenheit negativ beschieden wird. Bereits 30 Jahre zuvor hatten Bremer und Hamburger Handelshäuser Niederlassungen im heutigen Togo und Kamerun als Keimzellen späterer Kolonien errichtet. 1884 findet die Kongo-Konferenz nicht zufällig in Deutschland statt. Gebiete in Afrika und Neuguinea werden nun unter den Schutz des deutschen Staates gestellt und die hochproblematische Zeit des deutschen Imperialismus beginnt.

Quelle: https://www.preussen.de