28. April 1723 in Berlin

28. April 1723 in Berlin

Heute vor 298 Jahren

Am heutigen Tag erlässt König Friedrich Wilhelm I. das „Edict wider das unvorsichtige und gefährliche Taback-Rauchen“. Sollte der preußische König die lungenschädliche Wirkung des Rauchens bereits damals progressiv mit einem Verbot den Menschen vor Augen geführt haben? Schaut man etwas genauer hin, ist der historische Hintergrund ein wenig anders. Der „Soldatenkönig“ hatte eine Vorliebe für das Rauchen und richtete mit dem „Tabakskollegium“ ein semioffizielles Beratungsgremium ein, das getrost als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens des Monarchen bezeichnet werden kann – ein Ort ein, an dem das Rauchen sogar geboten war. Berater, Offiziere, handverlesene Abenteurer, Gesandte, Literaten, höhere Beamte scharte der König allabendlich bei ein wenig Essen und Bier und vor allem einer Tabakspfeife um sich. Wer nicht rauchen wollte, musste zumindest so tun als ob. Die Hierarchien waren hier aufgelöst, der Umgangston oft derb und spöttisch, die höfische Etikette wurde nicht eigehalten, auch äußerst pikante Themen diskutiert und der König erwartete von den Beteiligten, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen und auch mal einen Streit ausfechten, den er dann mit Interesse verfolgte. Tabakskollegien gehörten schon im 17. Jahrhundert zu den höfischen Gepflogenheiten, auch in Berlin und Potsdam, wo König Friedrich I. in Preußen ebenfalls Tabakgesellschaften abhielt. Dabei herrschte die Meinung vor, „dass der Gebrauch von Tabak gegen alle böse Luft gut sei“. Auch viele Frauen nahmen an den geselligen Runden teil, was sich unter Friedrich Wilhelm I. änderte. Die Runde traf sich in den Schlössern von Berlin und Potsdam, oft auch im Jagdschloss Königs Wusterhausen. Die Ablehnung Friedrichs des Großen gegenüber der erzwungenen Teilnahme im Tabakskollegium seines Vaters ist bekannt. Friedrich dichtete etwa nach einem solchen Abend: „Ich habe mich aus der Tabagie gedrückt. Sonst wäre ich ohne Hexerei erstickt.“ Dass 1723 und dann 1742 und 1764 in Preußen gegen das allgemeine Rauchen vorgegangen wurde, hat demnach andere Gründe. Zum einen war König Friedrich Wilhelm I. das Rauchen der Untertanen als Zeichen des Müßiggangs suspekt. Auch die Brandgefahr sollte eingedämmt werden. Denn durch das allgemein verbreitete Rauchen kam es immer wieder zu Bränden. Friedrich der Große erinnert 1742 noch einmal an die Bestimmung seines Vaters, da das „Toback-Rauchen auf dem Lande so allgemein werde, daß auch in der Erndte bey Einsammlung des Getreides und Heues, ja so gar bey dem Einfahren desselben, die Unterthanen und Knechte auf den (…) beladenen Wagen Toback zu rauchen sich unterfangen“. Als Strafe für ein solches Vergehen wird „Vierwöchentliche Festungs-Arbeit bey Wasser und Brod“ vorgesehen.

Quelle: https://www.preussen.de