28. Dezember 1871 in Kleve

28. Dezember 1871 in Kleve

Heute vor 149 Jahren

Die Industrialisierung, die in England bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert an Fahrt aufgenommen hatte, setzte in Deutschland erst verspätet ein und kommt erst bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts richtig in Gang. Warum Deutschland hier „Nachzügler“ war, lässt sich unter anderem mit der territorialen Zersplitterung in viele Kleinstaaten erklären, die eine Vielzahl von abweichenden Maß-, Münz- und Gewichtsystemen sowie Zollschranken zur Folge hatte. Fehlende Verkehrsverbindungen, mittelalterliche Landwirtschafts- und Zunft-Strukturen taten ihr Übriges.
Am heutigen Tag wird in Kleve jedoch mit Peter Beuth, dem späteren preußischen Ministerialbeamten und Mitglied des preußischen Staatsrates ein Mann geboren, der einen bedeutenden Part in der Beförderung der Industrialisierung Preußens als dem wichtigsten deutschen Staat spielen wird. Peter Beuth wird mitunter „Vater der preußischen Gewerbeförderung“ genannt, weil er im Zuge der sogenannten „Preußischen Reformen“ und insbesondere in den Jahren ab 1820 eine Reihe wichtiger Maßnahmen durchführen ließ: Als Anhänger der Freihandelslehre befördert er u.a. durch die Formulierung entsprechender Gesetze die Freiheit von Handwerk und Gewerbe, die Beseitigung von Einfuhrzöllen für Berlin und das Auflösen der Reste der Zunftordnungen.
Insbesondere für das Gewerbeschulwesen und eine bessere berufliche Ausbildung engagiert sich Peter Beuth und prägt, zusammen mit Karl Friedrich Schinkel, auch die ästhetische Bildung an Gewerbeschulen – etwa durch die Herausgabe des gemeinsamen Werkes „Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker“ (1821).
Er eröffnet ein Gewerbeinstitut sowie den „Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen“ und fungiert als dessen Vorsitzender. Im „Hackeschen Palais“ errichtet er eine Art Technologiezentrum als Anlaufstelle für Gewerbetreibende und kümmert sich auch um den Technologietransfer aus dem Ausland, indem er etwa ausländische Experten anwirbt oder die Bildungsreisen von preußischen Ingenieuren und Technikern zu modernen ausländischen Anlagen finanziert. Getrübt werden Beuths Erfolge sicherlich von seinen antisemitischen Ressentiments, für die Entwicklung von Gewerbeförderung und Industrialisierung in Deutschland ist er jedoch von nicht unwesentlicher Bedeutung.
Peter Beuth stirbt 1853 in Berlin und wird auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.

Quelle: https://www.preussen.de/