28. Februar 1813 in Kalisch

28. Februar 1813 in Kalisch

Heute vor 208 Jahren

Französisch ist seit jeher die Sprache der Diplomatie. Man sagt dem Französischen zurecht nach, dass es die Sprache der Nuancen und Zwischentöne sei und deshalb hierfür in besonderem Maße geeignet. Und so müssen auch die zukünftigen Diplomaten, die heute ihre Ausbildung beim Auswärtigen Amt antreten, in Französisch „arbeitsfähig“ sein. Von den unzähligen Verträgen der europäischen Geschichte, die auf Französisch formuliert wurden, fällt der Kontrakt des heutigen Tages besonders ins Auge. Er ist auch auf Französisch formuliert, richtet sich aber explizit gegen Frankreich.

Im Vertrag von Kalisch, geschlossen zwischen Russland und Preußen, findet ein Seitenwechsel statt. Preußen, bisher mit Napoleon zwangsverbündet gegen Russland, schließt nach dem Wunsch König Friedrich Wilhelms III. einen umfassenden Friedens-, Freundschafts- und Bündnisvertrag mit Russland. Nachdem bereits in der „Konvention von Tauroggen“ diese Entscheidung angebahnt wurde; auch die Stimmung in der Bevölkerung sich in diese Richtung gewendet hatte und schließlich Napoleon sich durch den gescheiterten Russlandfeldzug in der Defensive befand, entscheidet sich der preußische König für diesen gewagten Schritt. Er weiß, dass ein Erfolg des Bündnisses für Preußen eine Existenzfrage sein würde. Maßgeblich mitbestimmt hat den Vertrag der in russischen Diensten stehende Freiherr vom Stein.

Russland verpflichtet sich, Preußen die Wiederherstellung seines Staatsgebietes von vor 1806 zu garantieren und 150 000 Soldaten gegen Frankreich aufzustellen. Preußen soll 80 000 Soldaten in den Krieg schicken, den König Friedrich Wilhelm III. von Preußen Frankreich zwei Wochen später erklärt. Die Entscheidung über den Erfolg der neuen Allianz wird aber erst die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 bringen.

Quelle: https://www.preussen.de