29. April 1382 in Großgündlach

29. April 1382 in Großgündlach

Heute vor 639 Jahren

Seit dem Mittelalter üben Sagen eine besondere Faszination aus. Auch mit dem Haus Hohenzollern verbinden sich eine Fülle von Sagen, deren wohl bekannteste, die „Sage der Weißen Frau“, mit dem heutigen Ereignis ihren Ursprung genommen haben dürfte. In Großgündlach stirbt am heutigen Tag die Gründerin und erste Äbtissin des Klosters Himmelthron, Kunigunde von Orlamünde. Die Sage, die sich auf das Leben der Äbtissin bezieht, entbehrt einer historisch verifizierbaren Grundlage. Real existierend ist jedoch die Grabplatte von Gräfin Kunigunde von Orlamünde auf dem nebenstehenden Bild, auf der sie als Äbtissin des von ihr gegründeten Zisterzienserinnen Klosters in der typischen weißen Kleidung zu sehen ist.

Von der Sage der „Weißen Frau“ existieren unterschiedliche Versionen. In der bekanntesten Variante heißt es, Kunigunde sei „in heftiger Liebe zu dem Nürnberger Burggrafen Albrecht dem Schönen entbrannt“ gewesen. Albrecht, so schreibt es etwa Oskar Schwebel 1878 in seinem Sagenbuch, habe aber auf alles Werben nur die eine Antwort gehabt: Eine Verbindung sei ein unmöglich – vier Augen stünden ihr entgegen. Die Gräfin dachte, er meine ihre beiden kleinen Kinder aus erster Ehe. In ihrer Verblendung tötete sie ihre Kinder mit einer Nadel, trat vor Albrecht hin und erzählte ihm, was sie für ihn getan habe. Doch mit Abscheu wandte sich der Graf ab. Er hatte mit den vier Augen seine Eltern gemeint, die einer Heirat ablehnend gegenüberstanden. In ihrem furchtbaren Schmerz, so heißt es in der Sage weiter, versuchte die Gräfin Buße zu tun, pilgerte nach Rom, wo ihr der Papst auferlegte, ein Kloster zu gründen. Das tat sie und starb als Äbtissin des von ihr gegründeten Zisterzienserinnen Klosters bald aus Gram und Verzweiflung und erscheint den Hohenzollern seither als unheilkündender Geist.

Die Sage führte zur Vorstellung, die „weiße Frau“ erscheine immer dann, wenn ein Mitglied des Hauses Hohenzollern kurz vor seinem Tod stünde, „auf dass er zur rechten Zeit dem Irdischen entsagen, sein Haus bestellen und wohl vorbereitet vor dem ewigen Richter erscheinen könne“ – so schreibt Graf Stillfried noch im 19. Jahrhundert. Vor allem im Berliner Stadtschloss erschien die „weiße Frau“ dann auch sehr häufig, wurde vor dem Tod der jeweiligen Kurfürsten und Könige gesehen. Etwa erschien sie 1713 vor dem Tod König Friedrich Wilhelms I. von Preußen oder 1797 vor dem König Friedrich Wilhelms II. Auch im hohenzollerischen Bayreuth soll sie gesehen worden sein und, in Überschreitung ihrer sonstigen Erscheinungsgewohnheiten, sogar den Widerstand gegen Napoleon befördert und jenem zumindest zu einer schlaflosen Nacht verholfen haben. Theodor Fontane schreibt hierzu: „Es heißt, daß, als Napoleon hier übernachtete, die „Weiße Frau“ aus dem Rahmen [ihres Porträts] herausgetreten und auf sein Bett zugeschritten sei. Der Kaiser, entsetzt auffahrend, habe nach seinem Adjutanten gerufen und bis an sein Lebensende mit Entrüstung von diesem „maudit château“ („verdammten Schloss“) gesprochen.“

Quelle: https://www.preussen.de