29. Dezember 1812 in Trauroggen

29. Dezember 1812 in Trauroggen

Heute vor 208 Jahren

Der preußische General Hans David Ludwig von Yorck steht am heutigen Tag vor einer schweren Entscheidung. Er weiß, dass einem Landesverräter der Tod droht. Wenn er gegen den Willen und vor allem gegen den Befehl seines Königs, Friedrich Wilhelm III. von Preußen, einen Waffenstillstand mit Russland schließt, könnte das im schlimmsten Fall nicht nur ihn selbst betreffen, sondern zu empfindlichen Strafmaßnahmen der Besatzungsmacht Frankreich gegen den untreuen Zwangsverbündeten Preußen führen. York weiß zwar auch, dass er im patriotischen Sinne vieler Preußen handeln würde, denen die seit 1806 andauernde französische Besatzung und das Bündnis verhasst ist, aber seine Königstreue hat er noch nie verletzt. In einem Brief von Januar 1813 schreibt er später rechtfertigend: „Die Armee will den Krieg gegen Frankreich. Das Volk will ihn, der König will ihn, aber der König hat keinen freien Willen. Die Armee muss ihm diesen Willen freimachen.“ Der König ist hier anderer Ansicht und setzt, angesichts der grundsätzlichen Gefahr für die Fortexistenz Preußens, auf die Taktik des Abwartens. Von König Friedrich Wilhelm III. ist folgende Einschätzung der Lage überliefert: „Eine politische Existenz, sie sei auch noch so klein, ist immer besser als keine, und mithin bleibt die Hoffnung auf die Zukunft. Nicht aber, wenn Preußen aus der Reihe der Staaten gänzlich ausscheiden müsste, was sehr wahrscheinlich der Fall sein möchte, wenn es zu früh alles aufs Spiel setzen wollte.“
Die Vorgeschichte der Situation, die sich auf den heutigen Tag zuspitzte, zeigt zum einen die große Demütigung für Preußen, als es 1812 auch noch als Aufmarschgebiet französischer Truppen für eine Invasion Russlands dienen musste und ein Hilfskorps für den Feldzug zur Verfügung zu stellen hatte. General York bekam den Befehl über das preußische Hilfskorps und soll nun, nach dem Desaster der französischen Armee in Russland, deren Rückzug decken. Ein Viertel seiner ursprünglich 20 000 Soldaten hat er bereits verloren. York bekommt ein Bündnisangebot von Russland, möchte jedoch eigentlich keine Unterhandlungen, lässt sich dann jedoch vom russischen Unterhändler Carl von Clausewitz im litauischen Tauroggen überzeugen, dass ein weiterer Kampf gegen die russischen Truppen sinnlos wäre:
York war am 28. Dezember in Tauroggen eingetroffen; noch in derselben Nacht hat er mit Clausewitz verhandelt und dieser machte ihm die isolierte und hoffnungslose Lage des preußischen Corps klar. Nun drängt die Entscheidung – und York beschließt, eigenmächtig zu handeln und am folgenden Tag mit Russland eine Konvention zu schließen („Konvention von Tauroggen“), sich darin mit seinem Korps für neutral zu erklären und so den Bündnisbruch mit Frankreich zu forcieren.
Die Nachricht von der Handlung seines Generals erreicht den preußischen König schnell. Er ist schockiert und wütend. Er missbilligt die Konvention, enthebt York seines Amtes und stellt einen Haftbefehl aus. Dennoch hat York den weiteren Verlauf der Dinge ins Rollen gebracht.
Die „Konvention von Tauroggen“ wird zum Signal für den Beginn der „Befreiungskriege“ gegen Napoleon und auch der König nutzt in seinem Aufruf „An mein Volk!“ vom März 1813 schließlich die patriotische Stimmung, die zum Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 beitragen wird und bekennt sich zur antifranzösischen Allianz.
Und was passiert mit General York? Der „Hochverräter wider Willen“ wird vom König später in den Grafenstand erhoben.

Quelle: https://www.preussen.de/