29. Oktober 1685 in Brandenburg-Preußen

29. Oktober 1685 in Brandenburg-Preußen

Heute vor 336 Jahren

„Wir, Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, Markgraf zu Brandenburg, des heil. Römischen Reichs Erzkämmerer und Churfürst in Preußen (…) thun kund (…) nachdem die harten Verfolgunge (…) wider Unsere der Evangelisch-Reformierten Religion zugethane Glaubens-Genossen verfahren, viel Familien veranlasset, ihren Stab zu versetzen, und aus selbigem Königreiche [Frankreich] hinweg in andere Lande sich zu begeben, dass Wir dannenher aus gerechtem Mitleiden (…) bewogen werden, (…) denselben eine sichere und freye retraite [Rückzugsort] in alle Unsere Lande und Provincien in Gnaden zu offeriren (…)“ Mit dem „Edikt von Potsdam“ lädt der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm die in Frankreich verfolgten Hugenotten dazu ein, in Brandenburg-Preußen einen Zufluchtsort zu finden.

Die tolerante Einwanderungspolitik des Kurfürsten rettet auf diese Weise wohl viele Leben. Wenige Tage zuvor hatte König Louis XIV. von Frankreich im „Edikt von Fontainebleau“ den Katholizismus als Staatsreligion bekräftigt, die Ausübung des Protestantismus in Frankreich verboten und den französischen Protestanten, den Hugenotten, nach einer hundertjährigen Zeit des Religionsfriedens ihre Bürgerrechte genommen. Bis 1730 flüchten daraufhin 200 000 Hugenotten aus Frankreich. Die erste Welle der Flüchtenden findet in Brandenburg-Preußen ihre neue Heimat – 20 000 werden aufgenommen – sodass um 1700 jeder dritte Einwohner Berlins ein protestantischer Franzose ist. Den Menschen werden großzügige Privilegien gewährt: Sie sind von Steuern und Zöllen befreit, ihre Gewerbe werden subventioniert. Der Zuzug der Hugenotten sorgt dafür, dass die Wirtschaft des im Dreißigjährigen Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogenen Brandenburg-Preußens wieder belebt wird und die z.T. stark entvölkerten Landstriche mit brachliegenden Feldern und wüsten Siedlungen wieder bewohnbar gemacht werden können.

Quelle: https://www.preussen.de