30. April 1415 in Brandenburg

30. April 1415 in Brandenburg

Heute vor 606 Jahren

In die Burg Hohenzollern gelangt man nur über einen einzigen Weg – durch das Adlertor. 1851 fertiggestellt und eingeweiht nimmt das Tor sinnbildlich Bezug auf eine der wichtigsten Persönlichkeiten und entscheidenden Vorgänge der hohenzollerischen Geschichte. Über dem Tor ist, nach dem Vorbild seines Reitersiegels, der Nürnberger Burggraf Friedrich VI. aus dem Hause Hohenzollern, der spätere Markgraf Friedrich I. von Brandenburg dargestellt, dem am heutigen Tag des Jahre 1415 die Mark Brandenburg und das Kurfürstenamt sowie das Amt des Erzkämmerers des Heiligen Römischen Reiches von König Sigismund übertragen wird. Für Friedrich I. kommt die Ernennung nicht überraschend. Bereits seit 1411 war er im königlichen Auftrag oberster Hauptmann und „Verweser“, d.h. königlicher Vertreter, in der Mark Brandenburg. Dies war damals keine leichte Aufgabe, da schon viele landesfremde Herrscher vor ihm keinen Gehorsam gefunden hatten und das brandenburgische Rittertum das Machtvakuum zu nutzen gewusst hatte.

Der brandenburgische Adel trat Friedrich mit großer Skepsis entgegen. Der zukünftige Markgraf ließ deshalb Truppen aus seiner fränkischen Heimat heranführen, was aber auf das Adelsgeschlecht der Quitzows, einem der mächtigsten Brandenburgs, keinen besonderen Eindruck machte. Die Quitzows kommentierten, sie würden ihre Burgen halten, selbst wenn es „eyn ghantz iar nurenberger regende“ (ein ganzes Jahr Nürnberger regnen würde). Friedrich ließ den Widerstand mit Gewalt brechen und belagerte die Hauptburgen seiner Feinde. Dabei kam unter anderem die „Faule Grete“ ein für die damalige Zeit entscheidendes Belagerungsgeschütz zum Einsatz, das mit einem Gesamtgewicht von 4600 Kilogramm als Riesengeschütz Kugeln eines Gewichts von 150-170 Kilogramm verschießen konnte. Die „Faule Grete“ war 1409 im Gießhaus der Marienburg aus Bronze gegossen worden. Nur wenige Wochen benötigte Friedrich, um seinen Erfolg zu sichern.

Mit dem Landfrieden von Tangermünde endete die Phase der Herrschaftsstabilisierung Friedrichs im März des Jahres 1414 und so konnte König Sigismund seinem wohl wichtigsten Gefolgsmann die Mark Brandenburg und das Kurfürstentum am heutigen Tag übertragen, womit der Grundstein des Aufstiegs der Kurfürsten von Brandenburg gelegt war. Die Darstellung Friedrichs I. als Reiter über dem Adlertor der Burg Hohenzollern ist gut gewählt, denn der „Markgraf und Erzkämmerer“ wie sich Friedrich I. nennt, verbrachte viele Jahre seines Lebens auf dem Rücken von Pferden, etwa beim mehrfachen „Umritt“ in Brandenburg um die Huldigung von Städten und Adel persönlich entgegenzunehmen und einzufordern und auch danach, um in seinen weitläufigen Besitztümern Präsenz zeigen zu können.

Quelle: https://www.preussen.de